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Telefonstreiche – Bitte lecken sie an der Steckdose

Die letzten Jahre meiner Schulzeit waren geprägt von der Pubertät und jugendlichem Leicht- und Unsinn. Oftmals trafen sich vier bis fünf Schüler direkt nach dem Ende des Unterrichts bei einem Klassenkameraden, der unweit unserer Bildungsstätte wohnte und zu dieser Tageszeit in der Regel sturmfreie Bude hatte.

Ein bei uns höchst populärer Zeitvertreib waren Telefonstreiche und wir entwickelten diesbezüglich nach und nach realitätsgetreue Hintergrundgeräusche. Ein beliebtes Szenario waren angebliche Anrufe vom Stromversorger oder des Telefonanbieters, die vom Klappern einer Schreibmaschine und üblichen Bürogeräuschen untermalt wurden. Da meine Stimmlage schon damals sehr tief und männlich war, wurde oft ich für den Part des Anrufers ausgewählt. Die angerufenen Leidtragenden mussten meist die üblichen Handgriffe vollziehen wie die Länge des Telefonkabels messen – ja, die Telefone verfügten damals noch über diverse Anschlusskabel - oder den Hörer in der Toilette versenken und dann den Spülknopf betätigen, damit wir als imaginäres Wasserwerk die verbrauchte Wassermenge ermitteln konnten. Etliche Personen fielen in der Tat auf unsere Streiche hinein, nur schnitt nie jemand sein Telefonkabel durch, so oft wir dies auch versuchten.

Der aber mit Abstand beliebteste Streich war ein Klassiker, der später als Witz seine Runde machte und von dem einige der geneigten Leser sicher schon gehört haben. Im Abstand von jeweils 30 bis 45 Minuten riefen drei verschiedene Schüler bei der gleichen Telefonnummer an. Das Gespräch verlief dann so: “Hallo hier ist Andre, kann ich mal den Torsten sprechen“? „Nein, tut mir leid, hier gibt es keinen Torsten“! Dann kam der nächste Anrufer, der den Torsten sprechen wollte und spätestens beim dritten Versuch war die Person am anderen Ende schon nicht mehr so freundlich. Bis dann der finale Stoß erfolgte:“Hallo, hier ist der Torsten, gab es Anrufe für mich?"

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