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Die wilden 80er

Die 1980er Jahre, ein Dezennium mit einer Fülle an Erinnerungen. Ganze Generationen tanzten am Anfang dieses Jahrzehnts zur neuen deutschen Welle (NDW) und am Ende dieser Zeitspanne brachte ein gesamtes Volk gar Mauern zum einstürzen.

Ein Phänomen, dem man nicht entgehen konnte, in Good Old Germany bebten die Wände. Es regierte die „Neue deutsche Welle“, eine ausschließlich deutschsprachige Musikrichtung, die um 1981 herum ihren Höhepunkt fand. Weltweit - auf Mallorca, in der Dominikanischen Republik und sogar in den USA - sang man so herausragende Textzeilen wie „Ich bin ein Assi mit Niveau, lese Lyrik auf dem Klo“, „Eisbären können nicht weinen“ oder „Ich bin hart wie Marmelade“. Die neudeutsch genannten Kiddies und Teenies feierten ihre Feten mit dem Song „Hurra die Schule brennt“, die Twens „wollten Spaß und gaben Gas“ und viele Leute über dreißig wählten auf ihrem Telefon die 32 16 8, denn "draußen im Hotel L'Amour langweilen sich die Damen nur...“

Diese Zeit war die mit Abstand aufregendste meines Lebens. Wir waren eine Gruppe von jungen Menschen, die mit großer Freude auf dieser musikalischen Welle surfte, die Wochenenden waren geprägt von Partys und Diskobesuchen. Wurde nicht privat gefeiert, ging es mit einigen Autos auf die Autobahn und entweder ins „Farmer´s Inn“ nach Uetze oder Richtung Walsrode ins „Studio“, damals sehr angesagte Diskotheken. In der Regel hatte jedes Fahrzeug auf dem Rücksitz einen riesigen „Ghettoblaster“ stehen, aus deren Bassboxen lautstark und zur Einstimmung Interpreten wie Nena, Extrabreit oder Ideal tönten. Das war unsere Art von „vorglühen“. Morgens gegen vier, fünf Uhr machten wir uns geschlossen auf den Rückweg, steuerten noch den Bierbrunnen in Langenhagen an - dort gab es um diese Zeit unter anderem ein hervorragendes Bauernfrühstück für Nachtwandler - und begaben uns danach heim und in Morpheus Arme.

Ebenfalls in den 80ern sorgte ein Artikel der Bildzeitung für Furore. Dieser Bericht enthielt eine Liste von Berufen, mit denen man sich auch als Ungeübter erfolgreich selbstständig machen konnte. Plötzlich schossen Kleinstfirmen jeglicher Art wie Pilze aus dem Boden, allein in meinem Geburts- und damaligem Heimatort machten sich von heute auf morgen an die dreißig Dachrinnenreiniger gegenseitig Konkurrenz. Auch ein Bekannter sprang auf genau diesen Zug auf. Er legte sich einen alten Renault-Kastenwagen zu, klebte rechts und links ein paar verbeulte alte Dachrinnen ans Fahrzeug und versuchte sich, in diesem Job zu Geld und Ruhm zu gelangen. Er schaffte es nicht und was ihm davon blieb war nur ein Spitzname, der ihn nun den Rest seines Lebens begleiten sollte – man nannte ihn Rinne.


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